| Blues aus dem Osten trotzt verregnetem Start |
| Mittwoch, 09. Juli 2008 um 09:33 |
DDR-Kult-Band „Engerling“ improvisiert mit Stars aus Polen und Tschechien auf dem Marktplatz Von unserem Redaktionsmitglied Kirsten Etzold Starke Stimmen, mitreißende Instrumentalsoli und ein Publikum mit Stehvermögen: Das zweite Internationale Blues-Festival behauptete sich am Samstag auf dem Marktplatz gegen einen verregneten Start und gipfelte ab 22 Uhr in eine einmalige Improvisations-Session der beteiligten Musiker: der DDR-Kult-Band „Engerling“, des tschechischen Stars Lubos? Andrs?t, der polnischen Blues-Harp-Virtuosin Beata Kossowska und ihren Bandmitgliedern. Die Karlsruher Zuhörer, überwiegend höhere Semester und großteils fachkundig, wussten die hochkarätige Besetzung zu schätzen. Vor der überdachten Bühne am Rathaus trotzten Blues-Anhänger am frühen Abend unter Regenkapuzen und Schirmen dem Wetter oder zogen sich zeitweise in den Schutz des Stadtkirchenportals zurück. Sogar von dort aus honorierten sie mit Applaus den Auftritt der Bluessängerin Jessica Born aus Aschaffenburg und die Gitarrenriffs des tschechischen Bluesrock-Spezialisten, der schon mit B. B. King auftrat und erst kürzlich für Tschechiens Präsidenten Vaclav Klaus spielte. Blues aus dem Osten in Deutschlands Westen – der vor fünf Jahren gegründete Karlsruher Verein „Hand in Hand“ holte für das Gratis-Open- Air-Konzert mitten in der Stadt Interpreten in die Fächerstadt, die in ihrer Heimat Stadien füllen. „In Jazz und Blues gibt es in Osteuropa unheimlich viele gute Musiker, die hier niemand kennt“, schwärmt der Vereinsgeschäftsführer Hans Walter. Die Stars aus den neuen Bundesländern allerdings, die „Engerling“-Musiker um den Pianisten und Song-Schreiber Wolfram Bodag, kennt in Karlsruhe mancher. Denn seit sagenhaften 31 Jahren schon bewegt sich die ehemals von DDR-Kulturfunktionären weitge hend ignorierte Gruppe mit deutschen Texten zwischen Blues und Deutschrock für ein beständiges, aber nicht „ostalgisches“ Publikum. „Blues kommt aus dem Osten“, betonte auch Bürgermeister Harald Denecken in seiner Eröffnungsansprache und zeigte dann seinem sechsjährigen Enkel die Bühneninstallation. Lucas Denecken spielt immerhin im Keller seiner Großeltern Schlagzeug. Die Perspektiven für alle Freunde swingender Klänge sind gut: Nach der Premiere im August 2007 und der Neuauflage am Wochenende mit Unterstützung der Stadt bereitet Walter jetzt das dritte Blues-Festival Karlsruhe vor. |
| Aktualisiert ( Samstag, 27. September 2008 um 07:31 ) |